Fünf Dinge

Sieben Uhr am Montagmorgen, und ich sitze im Zug. Viel zu früh zum Lesen. Also starre ich aus dem Fenster. Ärgere mich, dass ich die Kopfhörer vergessen habe. Hinter mir nämlich ein alleinunterhaltender Pendler mit Kollegin. Mit tollem Kochevent am Samstagabend. Einer klaren Meinung zum gestrigen Tatort. Einem unfassbaren Kurzurlaub in drei Wochen.

Und einer kurzen Pause zum Luftholen, in die die Kollegin die einzig richtige Frage stellt: „Woher nimmst du diese Energie um die Uhrzeit?“. Die Antwort prompt: Einfach den Wecker eine Viertelstunde früher stellen. „Und jeden Morgen fünf Dinge überlegen, auf die ich mich heute freue!“

Pommes-Tag in der Kantine, zum Beispiel. Champions League am Abend, die Zugfahrt mit der Kollegin. Die lacht, doch einen Moment zu spät. Vielleicht schaut auch sie auf die Wolken. Kitschig-rosa in der aufgehenden Sonne.

Herbst

Bis zur Ankunft der Straßenreinigung ist der Rentner mit Hund bestimmt eine Viertelstunde hin- und her spaziert. Zeit genug, sich richtig ins Anliegen rein zu steigern. Und so engagiert loszulegen, dass auch ich hinter meinem Fenster mitbekomme, worum es geht.

Überall Laub. Auf den Autos und – schlimmer noch –  den freien Parkplätzen, den Gehwegen. Um 11 Uhr, mit Tippen auf die Armbanduhr betont. Der Mann in Orange nimmt es professionell. Zückt den Besen und macht sich routiniert an die Arbeit ohne Aufmerksamkeit für den Kontrollblick des Rentners.

Als ich das nächste Mal aufsehe, sind beide weg. An den zusammengekehrten Blättern eine Rentnerin. Mit Hund. Ein kleines weißes Fellknäuel, das sich schwanzwedelnd in den Haufen stürzt. Verschwindet und wieder raus kommt, scharrt und sich wälzt und bellend den fliegenden Blättern hinterher springt.

Auf den Abend

Urlaubsabend auf dem Dorfplatz. Wein, gutes Essen, Sprachengewirr. Und ein kleiner Hund, der sich von Tisch zu Tisch arbeitet. Mit schief gelegtem Kopf und wedelndem Schwanz. Natürlich erfolgreich. Gefüttert von Gästen, getätschelt von Kellnern.

Bis ihn ein flanierendes Touristenpaar entdeckt. Feststellt, dass er zu keinem der Gäste gehört. Und sofort Hilfe anbietet. Mit Rufen und Lockgeräuschen, hingestreckten Handflächen.

Der Hund kommt nicht. Wartet ein letztes Streicheln ab und verschwindet unterm Tisch. Und ist nicht mehr da, als das Paar dort sucht. Unter keinem Tisch, nicht am Brunnen in der Platzmitte, unter keinem Baum.

Also flaniert das Paar davon Richtung Kirchberg, dem schönen Ausblick. „Auf den Abend“, prostet der Mann, den ich liebe. Und kann gerade noch fertig schlucken, bevor er laut loslacht. Am Nachbartisch der kleine Hund mit schief gelegtem Kopf und wedelndem Schwanz.

Urlaubsgeschichten

November und endgültig Herbst. Grau und stürmisch. Dick eingepackt gehe ich durch die Straßen. Vorbei an der Kita, wo die Kinder auch heute draußen spielen.

Und scheinbar eine neue Idee brauchen nach einem Streit oder dem Ende eines Spiels. „Erzählt Euch doch mal Urlaubsgeschichten“, schlägt die Erzieherin vor. „Vom Sommer oder aus den Herbstferien.“ Das Schweigen danach nur kurz. Dann der begeisterte Ausbruch: „Ich erzähl von Holland!“, gefolgt von schnellen Worten, vermutlich mit großen Augen erzählt.

Leider habe ich einen Termin und kann nicht stehen bleiben.