Parallelwelt

Im Café. Endlich mal in Ruhe lesen. Doch schon nach wenigen Seiten entern zwei Männer den Nachbartisch. Wählen umständlich Getränke aus der Karte, verteilen unheilvoll viel Papier auf dem Tisch. Fliehen ist zwecklos. Alle anderen Tische sind besetzt.

Tapfer lese ich weiter. Gegen den Wortschwall des einen Nachbarn. Hektisch, fahrig, Verzweiflung in der Stimme. Weil er nicht weiß, wie er das alles sortieren soll. Welche Antwort zu welcher Frage. Weil er den Job doch unbedingt haben will. Weil das ein super Vorstellungsgespräch werden muss. Beruhigend der andere: “Fang doch mal an.”

Und das tut er. Und wird mit jedem Satz ruhiger. Ein Strahlen, das schon von der Stimme ausgeht. Verstohlen linse ich zum Nachbartisch. Glänzende Augen, weiche Gesten. Zu einer Melodie aus Worten, die so schön klingen wie eine fremde Sprache: Dispergierung, Entschäumer, Mahlprozess. Ich lege mein Buch weg und lehne mich zurück.

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