Neun von zehn

Essen gehen mit dem Mann, den ich liebe. Zur Feier des Tages nicht nur schick gemacht sondern auch Nagellack aufgetragen. Alltagsuntaugliches Rot. Es lohnt sich – nach dem letzten Abbrechen sind die Nägel endlich wieder ansehnlich lang.

Bis es doch passiert. Ohne Anstoßen oder Handwerken oder Kisten schleppen oder Wühlen in Blumenerde. Wie immer am rechten Ringfinger. Und der Mann schon in Jacke an der Tür, seinen Schlüssel und meine Handtasche in Händen.

Also nur schnelles Zurechtfeilen, um schlimmeres zu verhindern. Am schlimmsten aber, dass ich mich so dreifach ärgere. Ausgerechnet heute. Über ein Tussi-Problem. Und weil Ärgern so gar nichts bringt außer verdorbenem Genuss.

Da es manchmal hilft, rede ich darüber. Und dieser Mann hat seine eigene Meinung. Erklärt mir, dass ich wieder mal falsch hinschaue. Weil neun von zehn Nägeln ganz wunderschön seien. Da mache doch dieser eine wirklich nichts. Während er das sagt, sieht er überhaupt nicht ironisch aus.

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