Sommerregen

Zu Hause angekommen nach einem wunderschönen Urlaub. Und wieder sind wir spät losgefahren, haben die letzten Minuten am Urlaubsort ausgekostet und noch so viel Neues entdeckt.

Erschöpft liegen wir nun im Dunkeln. Vertraut und doch ungewohnt nach zwei Wochen in fremden Betten. Und leider ebenso warm wie im Süden. Wo es egal war, wann wir einschliefen. Kein Alltag wartete mit To Do-Listen und Fitseinmüssen. Genervt drehe ich mich von einer Seite auf die andere. Halte mich an schönen Erinnerungen fest. Versuche, zu entspannen.

Bis vor dem gekippten Fenster der Regen einsetzt. Guter deutscher Landregen. Friedlich, regelmäßig und kühl.

Minho-Möwen

 

Am letzten Tag eines wundervollen Urlaubs sitzen wir am Minho, dem Grenzfluss zwischen Spanien und Portugal. Idyllisch gelegen. Rechts und links bewaldete Ufer, ein schier endloser Spazierweg. Von unserer Bank aus sehen wir das ruhig plätschernde Wasser, einen hellblauen Himmel.

Und sind ein bisschen traurig. Wie immer am Ende von so viel gemeinsamer Zeit. Sitzen nebeneinander und schweigen. Und sehen, wie ein großer Schwarm Möwen anfliegt, sich in der Flussmitte niederlässt. Wie zu einer schaukelnden Versammlung. Die schnatternd lauter wird, dann wieder leise, irgendwann wieder lauter. Bis neue Möwen dazu kommen, alte aufsteigen mit neuem Ziel.

„Wie wir“, sagt der Mann, den ich liebe.

 

 

JGA

Unglück im Glück. Das geliehene Auto der Freundin rettet meinen Termin. Hat aber kein Navi. Und weil ich damit nicht gerechnet habe, lotst mich nun mein Handy mit letzter Akkukraft. Mit viel zu schnell sinkender Prozentzahl. Und eine Tankstelle muss ich auch noch finden.

Vermutlich die einzige Tankstelle weit und breit, an der sich gerade ein Junggesellenabschied breit macht. Wahrscheinlich Pipipause. Und ein Jungeselle, der mich schon anbettelt, bevor ich die Autotür hinter mir schließen kann. Mich neckisch fragt, warum so eine schöne Frau an so einem schönen Tag nur so schlechte Laune haben kann.

Der Moment, in dem alles aus mir rausbricht und ich der versammelten Mannschaft meine Situation entgegen schreie. Ob es sie interessiert oder nicht. Und erstaunlicherweise passiert nichts. Kein Gelächter, keine doofen Kommentare. Nur ein kurzes Schweigen. Und ein netter junger Typ, der fragt: „Soll ich dir kurz meine Powerbank leihen?“

Feigensenf

Besuch auf dem Lieblingsmarkt. An einem Tag, an dem alles stimmt. Beeren- und Spargelzeit, strahlende Sonne und ein Samstag ohne Termine. Nach unserer großen Runde sitzen wir neben vollen Einkaufstrolleys im Café am Rande des Platzes. Genießen Leben, Cappucino, buntes Gewusel.

Bis uns einfällt, dass wir die Auberginen vergessen haben. Ganz Gentleman zieht der Mann, den ich liebe, nochmal los. Schnell, bevor die Stände schließen. Als er zurückkommt, grinst er schief. Legt zu der Auberginentüte zwei Stiegen Feigen auf den Tisch. Reife Feigen, denen er nicht widerstehen konnte. So, wie sie aussehen. Und für den Preis, den der Verkäufer kurz vor Schluss rausgehauen hat.

„Einfach Feigensenf draus machen“, rät die Kellnerin ungefragt im Vorbeigehen. „Mach ich auch später.“ „Gute Idee“, sage ich, nehme eine Feige in die Hand. Weich, saftig, süß.

 

 

Wie viel kürzer

Auch heute ist die Situation fürchterlich skurril. Aber es geht um den Jeansrock und seine letzte Chance. Gekürzt und künftig mit Leggings kombiniert, könnte es noch was werden. Also Umziehen in der viel zu kleinen Kabine und Präsentation vorm Änderungsschneider in unmöglicher Klamottenkombination. Doch der freundliche ältere Mann ist nur an einer Frage interessiert: „Wie viel kürzer?“

Eine Frage, die wir über Versuch und Irrtum klären. Und weil ich nicht gleichzeitig schauen und zeigen kann, kniet er vor mir und klappt den Saum um – bisschen mehr, bisschen weniger. Bei jedem neuen Vorschlag ein fragender Blick. Dahin, wo ich in den Spiegel schaue und mir nicht vorstellen kann, wie es am Ende aussehen wird. Bis er ungeduldig abkürzen will: „Kannst du doch tragen bei so schönen Beinen!“

Dann passiert alles gleichzeitig. Alles Blut schießt in sein Gesicht, das er knallrot abwendet. Und ich so überrascht, dass ich mich in einen Teenager verwandle und fast zu kichern anfange, als ich nicke und „Danke!“ sage. Er, der sich mit ganzer Konzentration daran macht, Stecknadeln in den steifen Stoff zu stecken. Wie immer, ohne mich zu pieksen.