Sommerpause!!!

Die Montagsgeschichten verabschieden sich für ein paar Wochen der Muße, des Sammelns, der Erholung. Bis dahin könnt Ihr in alten Geschichten stöbern und vielleicht selber kleine Alltagswunder erleben!

Am 16. September gibt es wieder neue Montagsgeschichten.

Bis dahin allen eine wundervolle Zeit!

Neun von zehn

Essen gehen mit dem Mann, den ich liebe. Zur Feier des Tages nicht nur schick gemacht sondern auch Nagellack aufgetragen. Alltagsuntaugliches Rot. Es lohnt sich – nach dem letzten Abbrechen sind die Nägel endlich wieder ansehnlich lang.

Bis es doch passiert. Ohne Anstoßen oder Handwerken oder Kisten schleppen oder Wühlen in Blumenerde. Wie immer am rechten Ringfinger. Und der Mann schon in Jacke an der Tür, seinen Schlüssel und meine Handtasche in Händen.

Also nur schnelles Zurechtfeilen, um schlimmeres zu verhindern. Am schlimmsten aber, dass ich mich so dreifach ärgere. Ausgerechnet heute. Über ein Tussi-Problem. Und weil Ärgern so gar nichts bringt außer verdorbenem Genuss.

Da es manchmal hilft, rede ich darüber. Und dieser Mann hat seine eigene Meinung. Erklärt mir, dass ich wieder mal falsch hinschaue. Weil neun von zehn Nägeln ganz wunderschön seien. Da mache doch dieser eine wirklich nichts. Während er das sagt, sieht er überhaupt nicht ironisch aus.

Sommerregen

Zu Hause angekommen nach einem wunderschönen Urlaub. Und wieder sind wir spät losgefahren, haben die letzten Minuten am Urlaubsort ausgekostet und noch so viel Neues entdeckt.

Erschöpft liegen wir nun im Dunkeln. Vertraut und doch ungewohnt nach zwei Wochen in fremden Betten. Und leider ebenso warm wie im Süden. Wo es egal war, wann wir einschliefen. Kein Alltag wartete mit To Do-Listen und Fitseinmüssen. Genervt drehe ich mich von einer Seite auf die andere. Halte mich an schönen Erinnerungen fest. Versuche, zu entspannen.

Bis vor dem gekippten Fenster der Regen einsetzt. Guter deutscher Landregen. Friedlich, regelmäßig und kühl.

Minho-Möwen

 

Am letzten Tag eines wundervollen Urlaubs sitzen wir am Minho, dem Grenzfluss zwischen Spanien und Portugal. Idyllisch gelegen. Rechts und links bewaldete Ufer, ein schier endloser Spazierweg. Von unserer Bank aus sehen wir das ruhig plätschernde Wasser, einen hellblauen Himmel.

Und sind ein bisschen traurig. Wie immer am Ende von so viel gemeinsamer Zeit. Sitzen nebeneinander und schweigen. Und sehen, wie ein großer Schwarm Möwen anfliegt, sich in der Flussmitte niederlässt. Wie zu einer schaukelnden Versammlung. Die schnatternd lauter wird, dann wieder leise, irgendwann wieder lauter. Bis neue Möwen dazu kommen, alte aufsteigen mit neuem Ziel.

„Wie wir“, sagt der Mann, den ich liebe.

 

 

JGA

Unglück im Glück. Das geliehene Auto der Freundin rettet meinen Termin. Hat aber kein Navi. Und weil ich damit nicht gerechnet habe, lotst mich nun mein Handy mit letzter Akkukraft. Mit viel zu schnell sinkender Prozentzahl. Und eine Tankstelle muss ich auch noch finden.

Vermutlich die einzige Tankstelle weit und breit, an der sich gerade ein Junggesellenabschied breit macht. Wahrscheinlich Pipipause. Und ein Jungeselle, der mich schon anbettelt, bevor ich die Autotür hinter mir schließen kann. Mich neckisch fragt, warum so eine schöne Frau an so einem schönen Tag nur so schlechte Laune haben kann.

Der Moment, in dem alles aus mir rausbricht und ich der versammelten Mannschaft meine Situation entgegen schreie. Ob es sie interessiert oder nicht. Und erstaunlicherweise passiert nichts. Kein Gelächter, keine doofen Kommentare. Nur ein kurzes Schweigen. Und ein netter junger Typ, der fragt: „Soll ich dir kurz meine Powerbank leihen?“