Montagsgeschichten – nix bliev wie et wor…

… das ist Kölsch und bedeutet, dass nichts so bleibt, wie es war. Und das gilt auch für die Montagsgeschichten.

Seit dem 1.11.2017 habe ich jede Woche eine Geschichte gepostet – zugegeben, jede Woche habe ich es seit letztem Herbst nicht mehr geschafft. Und vermutlich wird es mir auch jetzt nicht mehr mit dieser Regelmäßigkeit gelingen. Da sind zu viele andere Projekte.

Zuerst habe ich mir überlegt, den Blog einzustellen. Keine gute Idee, wie ich schnell festgestellt habe. Weil mir so viele von Euch immer wieder sagen, wie viel Euch die Geschichten bedeuten. Und weil es mir selber nicht gut tut, wenn ich aufhöre, auf die kleinen Alltagswunder zu schauen.

Also gibt es weiter Montagsgeschichten. Nur eben nicht mehr jede Woche. Und damit Ihr keine verpasst, informiere ich per what’s app oder SMS, wenn es wieder soweit ist. Was Ihr dafür tun müsst? Einfach eine Mail schreiben und Handy-Nummer hinterlassen: post@carolin-doermbach.de

Ganz liebe Grüße Euch allen!

Le Tabac

Urlaub in der Normandie mit dem Mann, den ich liebe. Etwas kurz entschlossen. Also eine günstige Unterkunft, die noch zu haben war. In einem Nest, in dem wir eher untypisch in den Urlaub gestartet sind: Schon um 21 Uhr nichts mehr los. Nur noch wir und die Dorfjugend auf dem Platz an der Mairie. Zum Glück eine Notfall-Flasche Wein im Gepäck.

Entsprechend bescheiden unsere Hoffnungen an den ersten richtigen Urlaubstag. Vielleicht ein Kaffee im Tabac , den wir gestern gesehen haben. Frühstück dann halt in der nächsten größeren Stadt.

Und dann das. Bestimmt zehn Tische draußen. Sonnenschirme. Gäste, die Kaffee trinken, Zeitung lesen, Croissants essen, sich lautstark miteinander unterhalten. Ein munteres Frauenkränzchen ins Gespräch vertieft. Und zwischen all dem eine Kellnerin wie aus einer französischen Liebeskomödie: Amélie-Frisur, Flatterkleid und ein fantastisches Lächeln, als sie uns „Bonjour!“ entgegen ruft.

Ampelgeschichten

Unterwegs mit dem Rad auf einer dieser Kölner Straßen mit roter Welle. Alle paar Minuten anhalten, warten, wieder aufsitzen. Gerne in einem Pulk von Radfahrern, der jedes Mal neu die Startpositionen aushandeln muss.

Heute zum Glück nur zwei Mädels mit mir unterwegs. Immer erst ein paar Momente hinter mir an den Ampeln. Weil die eine während des Radelns wichtiges zu erzählen hat. Vom gestrigen Date mit Jan. Scheinbar sehr schön, wie ihre Stimme klingt. Dann springt die Ampel auf Grün.

Zum Glück höre ich sie an der nächsten wieder. Und zum Glück hat Jan noch auf dem Heimweg geschrieben. Worauf sie lange an einer Antwort überlegt hat. Erfolgreich, weil Jan schnell und toll geantwortet hat. Mit einem spektakulären Vorschlag, für den sie erst Luft holen muss.

Es wieder grün wird. Und ich leider nach rechts abbiegen muss.

Nachbarn

Seit Corona haben wir einen neuen Termin: Abends um neun klatschen wir am Fenster mit den Nachbarn. Für alle, die jetzt ganz besonders für uns und die Gesellschaft arbeiten: im Krankenhaus, an den Supermarktkassen, bei Polizei, Feuerwehr und anderswo. Und weil wir in Köln wohnen, haben danach vor ein paar Tagen Nachbarn mit Trompete, Gitarre und Klavier den Klassiker „In unserm Veedel“ von den Bläck Fööss angestimmt.

Ein Lied, das wir natürlich sofort mitgesungen haben – laut und voller Begeisterung. So laut und begeistert, dass es wohl auf die andere Straßenseite rüber klang, eine Nachbarin beim atmosphärischen Schwenk mit ihrer Handykamera bei uns hängen blieb.

„Hast du das gefilmt?“, habe ich nach dem Singen rüber gerufen. „Soll ich Euch das schicken?“, antwortete sie. Las kurz später meine Nummer von einer großen Pappe ab, die wir kreativ anleuchteten, schickte das Video. Und winkt uns jetzt jeden Abend zu, wenn wir ans Fenster kommen, zusammen klatschen.

Kreisel

Wiedermal in Porto, diesmal mit meiner Mutter. Die natürlich mit muss in die spektakulären Markthallen. Den bunten Ständen mit heimischem Obst und Gemüse. Getrockneten Fischen, selbst gemachten Marmeladen, Krimskrams aus Kork und Selbstgestricktem. Dazwischen Spielzeug, an dem wir erst vorbei gehen wollen.

Bis sich der Verkäufer einschaltet. Seine Kreisel anpreist. Besondere Kreisel, bei denen man beherzt eine Schnur ziehen und den Kreisel auf den Boden krachen lassen muss. Wo er sofort rotiert, ein schönes verwischtes Muster auf der Oberfläche. „Auch mal?“, fragt er in schwer verständlichem Englisch. Und hält meiner Mutter einen Kreisel hin.

Die lacht und macht. Zieht fest an der Schnur. Lässt den Kreisel aufknallen. Und schaut fasziniert dem Drehen zu. Lachend. Nimmt den ruhenden Kreisel auf, lässt sich mit der Schnur helfen und legt gleich noch einmal los. Und noch einmal. Um uns herum Menschen, die stehen bleiben. Zuschauen. Mit schweren Einkaufstüten in den Händen.